brigittehackl_coaching20

Häufig kommen Klienten zu mir, weil sie sich über ihre Stärken und Talente bewusst werden möchten. Entweder wissen sie nicht, welche Stärken sie haben. Oder sie kennen ihre Stärken, können diese aber im Job nicht ausleben (und denken deswegen über einen Jobwechsel nach). Oder ihnen ist nicht klar ist, was sie mit ihren Stärken (beruflich) anfangen können.

Ich bin mit meinem Klienten beim Stärken-Coaching. Während wir gemütlich und entspannt dasitzen, der warme Tee dampft vor uns und im Coaching-Raum ist es angenehm ruhig… beginnen wir nach und nach über die Ziele des Klienten zu reden was er sich am meisten wünscht, wenn wir an seinen Stärken arbeiten. Zunächst wollen wir persönliche Stärken sammeln. Ich starte mit der Frage: „Nenne mir doch mal Deine fünf allergrößten Stärken?“ und positioniere mich erwartungsvoll neben mein Flipchart, um die einzelnen Stärken dort groß und gut sichtbar zu notieren. Die Kappe des Stiftes habe ich schon mit einem gut hörbaren Klick abgenommen, die blaue Spitze schwebt verheißungsvoll über dem jungfräulich weißen Flipchart-Papier.

Daraufhin verspannen sich bei meinem Gegenüber die Gesichtszüge, er rutscht plötzlich unruhig auf dem Sessel herum, die Finger graben sich tiefer in die Armlehnen, dann: Schweigen. Blick hoch zur Decke („Mist nichts gefunden!“), dann Blick zu Boden und meinen beigen, runden Teppich anstarren (nein, der gibt auch keine Antwort). Sekunden vergehen. Der Klient holt dann irgendwann tief Luft und sagt:

„Also was ich zum Beispiel schon mal NICHT gut kann ist … !!!“.

Und dann geht’s Schlag auf Schlag: Alles was an (vermeintlichen) Schwächen da ist, wird rausgehauen im Stakkato. Ab geht die Luzi. Fast schon triumphierend, so nach dem Motto: „Pah, jetzt hab ich’s ihr aber gezeigt. Soll sie mal sehen, dass ich eben echt überhaupt nix über meine Stärken weiß. So!“ Sieger-Lächeln.

Soso.

Wieso fällt es uns so leicht, sämtliche Schwächen auf Anhieb aufzuzählen, unsere Stärken hingegen nennen wir nur zögernd mit leiser Stimme?

Weil wir schon sehr früh darauf gepolt werden, uns stärker auf unsere Schwächen zu fokussieren. Das beginnt bereits als Kleinkind: Ständig werden wir darauf hingewiesen, was alles nicht so gut läuft und andere – Erwachsene – an uns stört. Gerade Frauen neigen oft dazu, negativ über sich zu denken und zu sprechen. Das Resultat ist, das sie selbst und auch ihre Zuhörer irgendwann nur noch auf die (vermeintlichen) Schwächen achten und langsam alle guten Eigenschaften verblassen. Diese werden dann kaum noch wahrgenommen. Darunter leiden Selbstwertgefühl und Ausstrahlung.

Fakt ist jedoch: Jede vermeintlich negative Eigenschaft und Schwäche ist in einem gewissen Kontext positiv. Es kommt also immer auf den Kontext an.

 

Jede unserer vermeintlichen Schwächen ist einem bestimmten Kontext nützlich.

 

Was heißt das konkret? Beispiele gefällig?

„Ich bin sehr ruhig und zurückhaltend.“
==> Prima. Zuhören und andere zu Wort kommen lassen ist eine großartige Eigenschaft. Du kannst erstmal in Ruhe die Lage checken, bevor Du antwortest. Das wird von vielen Menschen sehr geschätzt. Deine Freunde finden es sicher toll, dass ihnen jemand auch mal einfach zuhört, ohne ständig dazwischen zu quatschen.
==> Stärke: Ich lasse andere auch zu Wort kommen und kann gut zuhören.

„Ich bin zu ungeduldig.“
==> Sicher wirst Du mir zustimmen, dass Dich diese Eigenschaft in bestimmten Situationen auch pusht und Du in kürzester Zeit tolle Ergebnisse produzierst.
==> Stärke: Ich bin jemand, der schnell Entscheidungen treffen kann und dann direkt anpacken möchte.

„Ich bringe Dinge nicht zu Ende.“
==> Dann bist Du vielleicht ein guter Starter und Ideen-Entwickler, Du bist furios am Anfang, bei der Geburt einer Idee, Umsetzung und Fertigstellung interessieren Dich nicht mehr so sehr (manchmal langweilen sie Dich sogar). Wenn Du Dir dessen bewusst bist, kannst Du diese Eigenschaft ganz gezielt einsetzen, statt Dich selbst dafür zu verurteilen.
==> Stärke: Ich bin gut darin, Ideen zu entwickeln und kann Dinge danach auch gut delegieren.

 

Tipp: Schreibe Dir 10 Deiner größten Schwächen auf und überlege, in welchem Kontext sie Dir sogar nützen.

 

Wusstest Du übrigens, dass in Experimenten mit Business-School-Absolventen herausgefunden wurde, dass diese bei Jobgesprächen besser abgeschnitten haben, wenn sie auf die Frage nach ihren Schwächen wahrheitsgemäß geantwortet haben? Bei einer Harvard-Studie zeigte sich, dass diejenigen, die echte Schwächen zugegeben haben, von Personalern sogar bevorzugt werden (Quelle: karrierebibel.de).

Also: Beschäftige Dich mit Deinen (vermeintlichen) Schwächen und sieh sie als „Special Effects“. Sobald Dir klar ist, in welchem Kontext sie Dir sogar richtig nützen, kannst Du anders mit ihnen umgehen und sie als Teil von Dir akzeptieren – oder auch daran arbeiten, wenn Du das willst. Wichtig ist, respektvoll mit anderen umzugehen und auch dort Schwächen zu akzeptieren, vielleicht fällt Dir das mit dieser Übung in Zukunft auch leichter. Generell gilt: Der Fokus sollte auf Deinen STÄRKEN liegen. Sich mit ihnen intensiver zu beschäftigen, lohnt sich.

Und jetzt bin ich neugierig! Welche Deiner vermeintlichen Schwächen ist in einem bestimmten Kontext besonders nützlich? Poste es hier unten in den Kommentaren. Ich bin gespannt.

 

 

 

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